Daniel Kehlmann “Lichtspiel“

Daniel Kehlmann, ein deutsch-österreichischer Schriftsteller, landete mit seinem 2005 erschienenen Roman „Die Vermessung der Welt“ einen internationalen Erfolg. Auch sein Roman „Tyll“, die fiktive Lebensgeschichte von Till Eulenspiegel, war auf der Shortlist des International Booker Prize. Daniel Kehlmann zählt zu den bedeutendsten deutschsprachigen Autoren der Gegenwart. Sein Roman „Lichtspiel“ erschien 2023.

In „Lichtspiel“ geht es um die Lebensgeschichte des österreichischen Regisseurs Georg Wilhelm Pabst, der wegen der Nationalsozialisten nach Amerika auswandert. Obwohl er einer der bedeutendsten Regisseure Europas ist, gelingt es ihm nicht, in Amerika Fuß zu fassen, zu viele Geldgeber üben Einfluss auf seine Filme aus.

Da Pabsts Mutter erkrankt, beschließt er sie mit seiner Frau und mit seinem Sohn zu besuchen. Seine Mutter gesundet, aber die Familie kann Österreich nicht mehr verlassen, da Nazi-Deutschland den Anschluss vollzieht.

Das Interesse hochrangiger Nationalsozialisten an dem berühmten Regisseur lässt nicht lange auf sich warten. Goebbels persönlich garantiert Pabst seine volle Unterstützung, wenn er Filme dreht, die die Moral der Deutschen hochhalten und vom Elend des Krieges ablenken. Pabst willigt schließlich ein, und obwohl er eher seichte Unterhaltungsfilme dreht, wird er zum Mitläufer, der keine Kritik äußern darf.

Seine Frau leidet unter den Umständen, sie verachtet den Literatur- und Filmgeschmack der Nazi-Elite, muss sich aber verstellen, um ihre Existenz nicht zu gefährden. Der einzige Sohn des Paares wird überzeugtes Mitglied der Hitlerjugend und zieht begeistert in den Krieg. Auch zu ihm hat Pabst den Kontakt verloren.

In den letzten Wochen des Krieges dreht Pabst mit seinem Assistenten seinen letzten Film „Der Fall Molander“, aber bei der Flucht vor dem russischen Einmarsch in Prag gehen die Filmrollen verloren.

Daniel Kehlmann ist ein sehr lebendiger, gut lesbarer Roman zum Thema „Macht“ und der Verantwortung des Künstlers gelungen. Seine Erzähltechnik, die aus aneinandergereihten Einzelszenen mit lebendigen Dialogen besteht, in denen unterschiedliche Figuren im Mittelpunkt stehen, ist ansprechend und erinnert an einzelne Filmszenen. Offen bleibt jedoch, warum Pabst sich mit dem Dilemma, in das er gerät, nicht offen auseinandersetzt. So bleibt der Roman Antworten schuldig, oder gibt es auf die Frage, ob ein Künstler auch politische Verantwortung trägt, keine eindeutige Antwort.

Lesenswert!

Prof. Münzer-Jordan

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