Nora Bossong “Reichskanzlerplatz“
Nora Bossong ist 1988 in Bremen geboren und lebt in Berlin. Sie verfasst Essays, Lyrik und Romane. Ihr Werk „Schutzzone“ war 2019 für den Deutschen Buchpreis nominiert. Nora Bossong ist vielfach ausgezeichnet worden, zuletzt mit dem Joseph-Breitbach-Preis und mit dem Thomas-Mann-Preis.
Der Erzähler dieses Romanes ist Hans Kesselbach. Er berichtet rückblickend aus dem Jahr 1944 von den politischen Entwicklungen, aber auch von seinem Leben in dieser Zeit und von Magdas Entwicklung und Aufstieg zur Frau von Joseph Goebbels.
Hans ist der Schulfreund von Hellmuth Quandt, dem Stiefsohn von Magda. Sie ist in zweiter Ehe mit Günther Quandt, dem vermögenden Unternehmer, der zum Kreis der Unterstützer von Adolf Hitler gehört, verheiratet.
Hans hat für Hellmuth intensive homosexuelle Gefühle. Sein Kontakt zu Magda bleibt über die Jahre bestehen und nach Hellmuths tragischem Tod geht er mit Magda eine Liebesbeziehung ein. Diese hat zur Folge, dass Magdas Ehemann ihre Ehe beendet und nur über Erpressung erhält Magda eine großzügige Abfertigung und Alimentation.
Als Magda auf Joseph Goebbels trifft, endet ihre Liebesbeziehung zu Hans. Sie wird die Ehefrau von Goebbels und die Vorzeigefrau der Nazis. Die Verbindung zwischen Magda und Hans besteht weiter in Form von Briefen und kurzen Begegnungen.
Auf Grund seiner homosexuellen Neigungen ist Hans gefährdet und er geht schließlich zu seinem Schutz eine Vernunftehe ein.
Nora Bossong ist ein interessantes, nachdenklich stimmendes Buch gelungen. Hans Kesselbach ist ein „mittelmäßiger“ Mensch. Seine Anpassungsfähigkeit und Angst um das eigene Leben verhindern – so wie bei vielen Menschen in dieser Zeit – Widerstand zu leisten. Er sagt: „Ich wollte nichts davon hören. Je weniger ich hörte, desto besser kam ich durch.“
Vielleicht ist es genau diese Einstellung, die uns auch heute abhält, genau hinzuschauen und Widerstand zu leisten.
Sehr lesenswert!!!
Prof. Münzer-Jordan