Takis Würger "Stella"

Das Buch “Stella” hat für viel Aufregung gesorgt. Es ist heftig kritisiert worden und gegen den Autor ist Strafanzeige erstattet worden.

Stella, die weibliche Hauptfigur, ist die historische Stella Goldschlag, eine Jüdin, die von den Nazis mittels Folter und Androhung, dass ihre Eltern im KZ umkommen würden, gezwungen wurde mit ihnen zu kollaborieren. Sie musste als „Greiferin“ tätig sein, das heißt, Juden, die im Verborgenen zu überleben hoffen, verraten und der Gestapo ausliefern. Dieses tragische Schicksal hat der Autor als Grundlage für dieses Buch verwendet. Die Liebesgeschichte und alles andere sind erfunden.

An Stellas Seite stellt er Friedrich, einen jungen Schweizer aus vermögendem Elternhaus. Fritz Mutter ist begeisterte Nationalsozialistin, im Gegensatz zu seinem Vater. Fritz verlässt sein Elternhaus, um seiner tyrannischen, alkoholkranken Mutter zu entfliehen und um sich in Berlin von der Situation ein Bild zu machen.

Er trifft auf Stella, die sich anfangs Kristin nennt. Sie verlieben sich ineinander, und als Kristin von der Gestapo gefangen und zur Kollaboration gezwungen wird, gesteht sie ihm schwer verletzt, dass sie Jüdin ist, und sie erzählt von ihrer Haft und Folter.

Friedrich unternimmt den Versuch, ihre Eltern zu retten, was ihm nicht gelingt, sie werden nach Auschwitz deportiert. Trotzdem ist Stella weiterhin als Greiferin tätig. Als sie bei einer Feier der Nationalsozialisten singt, um als Künstlerin Erfolg zu haben, verlässt Friedrich sie. Er steigt in einen Zug nach Süden.

In die Liebesgeschichte eingeflochten sind immer wieder Protokolle über Verhaftungen von Juden, die von Stella Goldschlag verraten wurden. Sie selbst wird nach Kriegsende von einem sowjetischen Gericht angeklagt und zu zehn Jahren Haft verurteilt. Stella Goldschlag hat 1992 schließlich Selbstmord begangen.

Der Autor zeichnet mit seiner männlichen Hauptfigur Friedrich einen Schweizer Luxusknaben, einen Naivling, der nicht erwachsen geworden ist und der durch die Welt stolpert, ohne sich mit dem Geschehen um ihn herum zu konfrontieren. Zuletzt bleibt es ihm jedoch nicht erspart, das Böse zu erkennen.

Er setzt sich auch mit Stella nicht auseinander, er verlässt sie, als offensichtlich ist, dass sie auch persönliche Vorteile (künstlerisches Engagement als Sängerin) aus dieser schrecklichen Zusammenarbeit ziehen will.

Der Autor befasst sich nur oberflächlich mit Stella. Seine Beschreibungen ihrer seelischen Konflikte, ihres Leidens wirken oftmals wie Berichte und wie ein Hilfsmittel, um diese Liebesgeschichte voranzutreiben.

Es scheint, als wäre die Naivität so einem schweren Schicksal, Leid und Schuld gegenüber ein gemeinsames Kennzeichen von Autor und Protagonist.

Interessant!

Prof. Münzer-Jordan

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