Marica Bodrozic “Das Herzflorett“
Die Autorin wurde 1973 in Dalmatien geboren und übersiedelte zehn Jahre später nach Hessen. Heute lebt sie als freie Schriftstellerin in Berlin und in Mecklenburg. Sie verfasst Romane, Erzählungen und Essays und wurde vielfach ausgezeichnet.
Pepsi, die Hauptfigur dieses Romans, lebt in Dalmatien bei ihrem Großvater auf einem einsamen Hof, seit ihre Eltern nach Hessen in Deutschland gegangen sind, um dort zu arbeiten. Immer wieder muss sie auch zu anderen Verwandten ziehen, aber alle bleiben ihr fremd, nirgends ist sie willkommen.
Pepsi verbringt viel Zeit in der Natur, hier fühlt sie sich aufgehoben, sie lauscht der Sprache der Vögel am Himmel und läuft barfuß. Als sie zehnjährig von ihren Eltern nach Deutschland geholt wird, wo die Eltern und Geschwister in einem Zimmer leben, will sie wieder weg. Der Vater trinkt, die Mutter ist lieblos, ohne jede Zärtlichkeit für Pepsi.
Aber Pepsi entdeckt die Welt der Buchstaben und Bücher, sie möchte Abitur machen und studieren, was ihr strikt untersagt wird. Pepsi ist schwer getroffen, es ist wie ein Stich ins Herz. Aber sie gibt nicht auf, sie folgt ihrer inneren Bestimmung, ihrem Bildungsweg. Wieder gibt die Natur ihr Halt und daneben vor allem das Lesen und Lernen von Neuem, Anderem.
Inzwischen ist der Jugoslawienkrieg ausgebrochen und er hat seine Wirkung auch auf in Deutschland lebende serbische und kroatische Angehörige. Pepsi kann sich vor einer Vergewaltigung durch einen serbischen Cousin retten, sie verletzt ihn schwer. Sie verlässt ihr Elternhaus, beginnt eine Buchhändlerlehre und ist finanziell unabhängig.
Nun beginnt für sie ein Leben ohne Druck, das sich „richtig“ anfühlt.
Die Autorin beschreibt in anschaulicher, emphatischer Sprache den Entwicklungsgang Pepsis, ihre Einsamkeit, ihre physischen und psychischen Verletzungen. Ihre Sprache ist geprägt von langen Sätzen und vielen Bildern und zeigt so, welche Bedeutung Sprache für Pepsi hat; sie ist alles, was Pepsi zum Überleben zur Verfügung steht.
Lesenswert!
Prof. Münzer-Jordan