Khaled Hosseini “Tausend strahlende Sonnen“

Khaled Hosseini ist ein afghanischer Schriftsteller. Er ist 1965 in Kabul geboren und ging nach dem Einmarsch der Sowjets in Afghanistan mit seiner Familie in die USA. Er studierte Medizin und war als Internist tätig. Khaled Hosseini gründete eine Stiftung, die Hilfe für die Menschen in Afghanistan bereitstellt. Er lebt heute in Kalifornien.

Seine Werke „Drachenläufer“, „Traumsammler“ und „Tausend strahlende Sonnen“ sind internationale Bestseller und wurden in über siebzig Sprachen übersetzt.

Der Roman „Tausend strahlende Sonnen“ erzählt die Lebensgeschichte zweier Frauen aus Afghanistan: Miriam und Laika. Hintergrund des Geschehens sind die wechselnden Machtverhältnisse unter den Sowjets, den Mujahedin und den Taliban zwischen 1970 und heute.

Beide Frauen hatten nie eine Chance auf ein selbstbestimmtes, gutes Leben. Ihnen bleibt nur der harte Kampf ums Überleben.

Miriam, die Ältere der beiden, wurde als uneheliches Kind geboren, ihre Mutter war Dienstmädchen, ihr Vater ein wohlhabender Geschäftsmann. Miriam erlebt von Anfang an Ablehnung, als uneheliches Kind gilt sie als „harami“. Ihre Mutter Nana beging Selbstmord, ihr Vater zwingt sie, als sie fünfzehn ist, zu einer arrangierten Ehe mit Raschid, einem dreißig Jahre älteren Mann, der sich ihr gegenüber gewalttätig und kontrollierend verhält. Sie ist seinen Misshandlungen ausgesetzt, sie erleidet einige Fehlgeburten und kann Raschid keinen Sohn schenken.

Laika kommt aus einem wohlhabenden Haus, sie genießt eine gute Ausbildung und wird von ihrem Vater sehr gefördert. Sie entwickelt sich zu einer intelligenten, lebensfrohen jungen Frau, die sich in ihren Jugendfreund Tarik verliebt.

Als Laikas Familie bei einem Bombenangriff ums Leben kommt, nimmt Raschid sie in sein Haus auf. Laika wird seine zweite Frau.

Miriam fühlt sich gedemütigt durch die zweite Frau, sie ist ablehnend ihr gegenüber. Aber bald erkennt sie, dass Laikas Leben ebenso schwer ist wie ihr eigenes und zwischen den beiden Frauen entwickelt sich Solidarität und eine tiefe Freundschaft. Gemeinsam setzen sie sich gegen Raschid zur Wehr, planen zu flüchten, was aber letzten Endes nicht gelingt. Ihre Situation verschlimmert sich, Raschid kennt keine Schranken.

Die beiden Frauen erleben noch viel Schweres, aber Laika gelingt es zu überleben, Miriam stirbt.

Khaled Hosseini erzählt in einer poetischen Sprache voll Empathie für die beiden Frauen. Er erzählt von Gewalt und Ohnmacht, von der ungeheuren Ungleichheit zwischen Mann und Frau.

Ein bewegendes, oft tieftrauriges Buch. Erschütternd sind die Werthaltungen, Einschränkungen, die Gewalt und die Verachtung gegenüber Frauen.

Lesenswert!

Prof. Münzer-Jordan

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