Kristine Bilkau “Halbinsel“
Die Autorin Kristine Bilkau ist 1974 geboren. Sie studierte Geschichte und Amerikanistik in Hamburg und New York. Sie gilt als eine der wichtigsten Stimmen heutiger Autoren. Ihr Romandebut „Die Glücklichen“ wurde mehrfach ausgezeichnet und der Roman „Nebenan“ war 2022 auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises. Für „Halbinsel“ hat sie 2025 den Preis der Leipziger Buchmesse erhalten. Kristine Bilkau lebt mit ihrer Familie in Hamburg.
Der Ort der Handlung ist eine Halbinsel im nordfriesischen Wattenmeer in der Nähe der Stadt Husum. Die Ich-Erzählerin ist Annett, eine vierzigjährige Witwe, die ihre Tochter Linn allein großgezogen hat. Sie arbeitet in der Bibliothek in Husum. Linn, ihre Tochter, ist Mitte zwanzig, sie engagiert sich als Klimaaktivistin in schwedischen und rumänischen Wäldern im Rahmen ihrer Arbeit für eine Umweltorganisation.
Für Annett ist ihre Tochter Linn eine starke, junge Frau, die selbstbewusst und mutig im Leben steht, ihre Karriere vorantreibt, bis Linn eines Tages bei einem Vortrag in einem Nobelhotel zusammenbricht. Sie ist erschöpft und muss Pause machen. So kehrt sie zu ihrer Mutter auf die Halbinsel zurück. Annett ist anfangs erschrocken, aber sie freut sich auch, ihre Tochter wieder bei sich zu haben.
Bald kommt es zu Spannungen: Annett möchte, dass ihre Tochter sich wieder aufrappelt und so ehrgeizig wie je weitermacht. Aber Linn verweigert das, sie beginnt stundenweise in einer Bäckerei zu arbeiten. So wird aus dem geplanten kurzen Erholungsurlaub eine längere gemeinsame Zeit, in der beide Frauen ihr Leben überdenken und teilweise neu ordnen.
Annett führt viele Zwiegespräche mit ihrem toten Mann und sie begreift allmählich, wie sehr Einsamkeit und die Frage nach dem Sinn ihres Lebens sie bedrücken und am guten Leben hindern. Allmählich gelingt es ihr, vieles zu verändern.
Für Linn ist es Zeit, die Beziehung zu ihrer Mutter neu aufzubauen und mit ihr endlich über den schmerzlichen Verlust des geliebten Vaters zu reden.
Kristine Bilkau schreibt in einer ruhigen, eindringlichen Sprache, es gibt kein überflüssiges Wort. Sie erzählt ohne den Anspruch, die Literatur neu zu erfinden, einfach eine Geschichte, die berührt, zum Nachdenken anregt.
Sehr lesenswert!
Prof. Münzer-Jordan