Jean-Baptiste Andrea „Was ich von ihr weiß“

Jean-Baptiste Andrea ist 1971 in Cannes geboren. Er studierte Politik- und Wirtschaftswissenschaften in Paris. Er schrieb Drehbücher und war als Filmemacher tätig. Seit 2013 widmet er sich ausschließlich dem Schreiben von Romanen. „Was ich von ihr weiß“ wurde mit dem Prix Goncourt ausgezeichnet.

Der Held des Romans ist Michelangelo Vitaliani, 1904 in ärmlichen Verhältnissen geboren und wegen seiner Kleinwüchsigkeit verspottet. Als sein Vater, ein Steinmetzmeister, im Krieg stirbt, schickt ihn seine Mutter zu seinem Onkel Alberto nach Italien, damit er zum Bildhauer ausgebildet wird. Onkel Alberto, ein Säufer, hat kein Interesse an ihm und beutet ihn aus.

Mimo hat eine besondere Beziehung zum Stein, er meint, dieser spricht zu ihm.

In dem ligurischen Dorf Pietra d’Alba lebt auch Viola, eine Tochter der Orsinis, eines bedeutenden Adelsgeschlechts. Sie ist gleichfalls eine außergewöhnliche Figur. Viola liegt nachts oft auf Gräbern, weil sie die Stimmen der Toten hört, sie ist mit einer Bärin befreundet und träumt davon, fliegen zu können und auf eigenen Beinen zu stehen. Sie passt nicht in ihre Zeit, in der für eine Frau ihres Standes nur die Ehe möglich ist.

Viola und Mimo schließen Freundschaft, sie nimmt ihn mit auf den Friedhof, sie borgt ihm heimlich Bücher aus der Bibliothek ihres Vaters, sie zwingt ihn, diese zu lesen und mit ihr zu diskutieren. Sie sorgt für seine Bildung. Mimo hilft ihr bei der Verwirklichung ihrer Träume. Er baut ein „Flugzeug“ mit ihr. Ihr Flugversuch endet tragisch, Viola stürzt ab und wird sehr schwer verletzt. Sie sehen einander viele Jahre nicht mehr.

Die Freundschaft zwischen Viola und Mimo besteht ein Leben lang, auch wenn sie einander oft für lange Zeit nicht sehen und einander auch nicht immer verstehen.

Die Schilderung der Lebenswege von Viola und Mimo ist eingebettet in die Beschreibung der zeitlichen Ereignisse wie Erster Weltkrieg, italienischer Faschismus, Verfolgung der Juden und so weiter, bildet aber das Hauptthema der Erzählung.

„Was ich von ihr weiß“ ist ein Buch über das Erwachsenwerden, über die Kraft der Kunst. Es ist spannend erzählt, die Lebenswege und die Entwicklung der beiden Hauptfiguren sind gut nachvollziehbar.

Sehr lesenswert!!

Prof. Münzer-Jordan

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