Robert Seethaler „Das Café ohne Namen“
Robert Seethaler ist 1966 in Wien geboren. Er ist ein vielfach ausgezeichneter Schriftsteller und Drehbuchautor. Sein Roman „Ein ganzes Leben“ war 2016 auf der Shortlist des Internationalen Booker Preises. Weitere bekannte Werke von ihm sind „Der Trafikant“ und „Das Feld“. „Das Café ohne Namen“ ist sein neuester Roman. Robert Seethaler lebt in Berlin und Wien.
Es ist das Jahr 1966. Robert Simon, ein 31jähriger Mann, der im zweiten Wiener Bezirk bei Martha, einer Kriegswitwe, in Untermiete wohnt, arbeitet am Karmelitermarkt. Sein Vater ist im Krieg gestorben, auch seine Mutter ist tot. Robert möchte am Karmelitermarkt sein eigenes Café eröffnen. Es gelingt ihm, ein altes Café zu pachten, er renoviert es und plant, dass es dort neben Kaffee, Bier, Wein auch Schmalzbrote und Salzgurken geben soll.
Mila, die aus der Steiermark kommt, die als robust, fleißig und sparsam beschrieben wird, arbeitet bei Robert als Kellnerin.
Die Gäste in Roberts Café kommen aus dem Viertel und jeder hat sein eigenes Schicksal. Johannes Berg, der Fleischermeister, der sich um seinen Laden Sorgen macht, eine gealterte Prostituierte, eine junge Immigrantin. Der Boxer René verliebt sich in Mila, die beiden leben miteinander, nicht ohne Probleme.
Als die Pacht von Roberts Café ausläuft und nicht mehr verlängert werden kann, feiert er mit seinen Gästen ein Abschiedsfest und räumt das Café. Robert besucht seine frühere Vermieterin, die jetzt in einem Heim lebt. Er hat keine konkreten Pläne für seine Zukunft, aber er ist zuversichtlich, Arbeit findet er auf dem Karmelitermarkt allemal.
Die Stärke dieses Buches liegt in der Beschreibung der Atmosphäre und der Schicksale der einzelnen Cafégäste. Sie alle sind Originale, auf irgendeine Weise physisch und/oder psychisch eingeschränkt, und alle suchen die Gemeinschaft, sind mit wenig an Austausch und Kommunikation zufrieden. Roberts Café ist ihnen Heimat und Zuflucht.
"Das Café ohne Namen“ ist ein gut lesbares Buch. Es ist berührend, manchmal melancholisch, das Aufflackern einer fast schon erloschenen Zeit.
Unbedingt lesenswert.
Prof. Münzer-Jordan