Jane Austen “Stolz und Vorurteil”
Die englische Autorin Jane Austen lebte von 1775 bis 1817 in der Zeit der Französischen Revolution und der Eroberungszüge Napoleons. In ihren sechs Romanen beschäftigt sie sich mit dem Schicksal junger Frauen, ihren Familien und ihren zukünftigen Ehemännern. Sie gilt als eine der bedeutendsten englischen Schriftstellerinnen und als eine feinfühlige Porträtistin der damaligen Gesellschaft. Jane Austen selbst war nie verheiratet.
Während der Weihnachtsferien befasste ich mich mit der literarischen Welt von Jane Austen und war beeindruckt von ihrem einzigartigen Schreibstil. Besonders die Leichtigkeit ihrer Sprache motivierte mich nicht nur „Stolz und Vorurteil“ zu lesen, sondern auch all ihre anderen Werke zu erkunden.
„Stolz und Vorurteil“ beginnt mit der Einführung der Familie Bennet, insbesondere ihrer fünf Töchter. Die Hauptprotagonistin Elisabeth Bennet wird als klug und wortgewandt vorgestellt. Die Handlung nimmt Fahrt auf, als der wohlhabende Mr. Bingley und sein ebenso wohlhabender Freund Mr. Darcy in die Nachbarschaft ziehen. Es entstehen Spannungen zwischen Elisabeth und Darcy, der anfangs als stolz und unnahbar erscheint. Der Höhepunkt des Konflikts kommt, als Elisabeth Unwahrheiten über Mr. Darcy zugetragen werden und sie ihn in der Folge grob zurückweist. Trotz allem entwickelt sich ihre Beziehung im Laufe der Geschichte weiter.
Die zahlreichen Nebenhandlungen enthüllen auch die romantischen Verwicklungen der anderen Bennet Schwestern, unter anderem die der jüngsten Schwester Lydia, die mit Wickham, dem Mann, der Darcy bei Elisabeth verleumdet hat, ausreißt. Sie leben zusammen in London, ohne miteinander verheiratet zu sein, eine unvorstellbare Schande für die Familie. Als Darcy durch Elisabeth davon erfährt, unternimmt er alles, die beiden aufzuspüren und überzeugt Wickham, Lydia zu heiraten. Als Elisabeth zufällig davon erfährt, gesteht sie sich und ihm ihre Liebe ein, und es kommt zu einer glücklichen Verbindung zwischen ihnen.
Jane Austens Schreibstil zog mich sofort in seinen Bann und ich fand mich direkt im Geschehen wieder. Anfangs ging es vor allem um die Geschwister von Elisabeth, sie selbst und Mr. Darcy blieben im Hintergrund, was meine Hoffnung auf eine mit Begeisterung erwartete Liebesgeschichte in Frage stellte. Allerdings wurde mir gegen Ende des Romans klar, warum Jane Austen zu Beginn den Nebenfiguren mehr Raum zugesteht. Die Charaktere, die im Schatten von Darcy und Elisabeth stehen, entwickeln sich durch reichhaltige Dialoge, während die Hauptfiguren durch intensive emotionale Momente charakterisiert werden, ihre Beziehung wird mehr durch Taten als durch Dialoge geformt. Dieser bewusste Kontrast trägt zur Gesamtdynamik des Romans bei und verleiht der Liebesgeschichte eine tiefe Dimension.
Beim Lesen des Romans habe ich nicht nur die Liebesgeschichte zwischen den Hauptfiguren entdeckt, sondern auch Austens meisterhafte Erzählkunst und ihre Fähigkeit, Charaktere in einer fesselnden Weise zum Leben zu erwecken, schätzen gelernt.
So ist „Stolz und Vorteil“ mein absoluter Lieblings-Liebesroman geworden und ist aus meiner Sicht der ideale Einstieg in die Welt der klassischen Literatur.
Ezgi Basder, 2DK