Gaea Schoeters „Trophäe“

Gaea Schoeters ist eine belgische Autorin und Journalistin, die in flämischer Sprache schreibt. Ihr Roman „Trophäe“, den die Autorin persönlich auf der Leipziger Buchmesse vorstellte, wurde für mehrere Literaturpreise nominiert.

Der Roman spielt in Afrika. Dorthin ist der reiche Amerikaner Hunter gereist, um ein Nashorn zu schießen, das ihm noch in seiner Sammlung der „Big Five“ fehlt; diese bestehen aus Löwe, Elefant, Schwarzbüffel, Leopard und Nashorn. Van Heeren organisiert Großwildjagden und teure Abschusslizenzen, die von der Regierung verkauft werden, um mit ihrem Erlös den Bestand einer gefährdeten Tierart zu sichern.

Dieses Mal kommen ihnen aber Wilderer in die Quere, sie töten das Nashorn vor Hunter. Enttäuscht und zutiefst frustriert folgt Hunter van Heeren zur Grenze in das kleine Dorf eines Stammes, wo er Zeuge einer Elenantilopenjagd wird. Van Heeren erklärt, dass er diesen Stamm, der von seinem angestammten Land vertrieben wurde, auf seinem Land angesiedelt hat und dort jagen lässt und dass das Erlegen eines Antilopenbullen für die jungen Burschen verpflichtend ist, um zum Mann zu werden. So wird Hunter Zeuge, wie !Nquate einen Bullen erlegt. Anschließend bietet ihm van Heeren an, statt des Nashorns diesen geschickten Jäger zur Strecke zu bringen.

Hunter ist entrüstet, aber der Gedanke an eine solche Jagd lässt ihn nicht mehr los. Schließlich werden all seine Bedenken von van Heeren zerstreut, der meint, dass diese Menschenjagd genau wie die Jagd auf seltene Tierarten das Überleben des Stammes gewährleistet, da das Geld für die „Abschusserlaubnis“ zum Wohle des Stammes investiert wird. Hunter ist fasziniert, als er erfährt, dass er seine menschliche Trophäe sogar präpariert nach Hause mitnehmen kann.

Doch bevor sich Hunter auf die Jagd machen kann, muss er sich als Jäger würdig erweisen und dem Stamm ein erlegtes Wild, einen Büffel, bringen. Dies gelingt und der Stamm teilt ihm mit, dass !Nqate, der gerade erst durch die Antilopenjagd zum Mann geworden ist, Hunters Beute sein wird. Dawid, !Nqates Freund, wird dem weißen Jäger bei der Jagd helfen und mit dem Geld, das Hunter für die „Abschusserlaubnis“ zahlt, nach Amerika geschickt werden, um dort eine Ausbildung zu machen.

Gemeinsam mit Dawid bricht Hunter zur Jagd auf, aber als sie !Nqate finden, verletzt Hunters Schuss den Jungen nur und Hunter ist nicht in der Lage, ihm den Gnadenschuss zu geben. So bringt Dawid seinen Freund um und tritt mit Hunter und dem Leichnam den Rückweg ins Dorf an. Auf diesem Weg geschieht jedoch etwas Unvorhergesehenes, das dazu führt, dass Dawid, !Nqate und Hunter gemeinsam die Reise in die USA antreten.

„Trophäe“ ist ein Buch mit einem verstörenden Thema, der Jagd auf Menschen. Trotzdem bleiben die Figuren von Hunter und van Heeren glaubwürdig, ja die Argumente van Heerens für die Menschenjagd scheinen rational nachvollziehbar und beweisen so umso eindrücklicher, dass die Würde und das Leben des Menschen unantastbar bleiben müssen, wenn wir nicht wieder zu Menschenopfern zurückkehren wollen, um die Götter, besser gesagt die Reichen, gnädig zu stimmen.

Ein beunruhigendes Buch, trotzdem - oder vielleicht gerade deshalb – lesenswert!

Prof. Münzer-Jordan

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