Milena Michiko Flasar „Oben Erde, unten Himmel“
Milena Michiko Flasar ist 1980 in St. Pölten geboren, hat Germanistik und Romanistik studiert. Ihre Mutter ist Japanerin, ihr Vater Österreicher. In ihren Romanen spielt die japanische Kultur eine wesentliche Rolle. Ihre bisherigen Romane wurden mehrfach ausgezeichnet, sie lebt mit ihrer Familie in Wien.
Der Roman spielt in Japan. Die Hauptperson ist Suzu, eine zirka 25-jährige junge Frau mit sozialen Problemen. Sie ist ledig, lebt allein, hat keine Freunde und pflegt keine Beziehungen. Ihr Gefährte ist ein Hamster. Auch mit ihren Eltern hat sie wenig Kontakt. Sie hat ihr Studium abgebrochen und es sich in ihrer einsamen Welt fast gemütlich eingerichtet.
Als sie ihren Job als Hilfskellnerin verliert, weil sie zu wenig „Liebreiz“ hat, findet sie eine Anstellung als Leichenfundortreinigerin. Ihr Chef ist Herr Sakai, ihre Kollegen sind Takada, gleichfalls ein junger, alleinstehender Mann, Suga, ein begeisterter Motorradfahrer, und Yamamoto, ein verheirateter Familienvater. Ihre Arbeit besteht darin, Wohnungen, in denen alleinstehende Menschen gestorben sind, die niemand vermisst hat und deren Leichen erst nach Wochen, oft Monaten, entdeckt werden, zu reinigen.
Suzu gewöhnt sich an ihre neue Arbeit und sie wird zum Nachdenken über ihr eigenes Leben angeregt. Ihrem Chef, Herrn Sakai, geht es im Grunde um die Würde eines Menschen. Daher gibt es ein Begrüßungsritual, bevor die zu reinigende Wohnung mit dem Toten betreten wird, und auch die zurückgebliebenen Dinge des Toten werden mit Respekt ausgesiebt und entsorgt.
Herr Sakai ist ein gütiger, menschenfreundlicher Chef, der sich um seine Mitarbeiter sorgt und Suzu lernt viel von ihm. Sie macht kleine Schritte weg von ihrem Prinzip „Ein Leben, das aus dem Verstreichen von Zeit besteht“ zu einem Leben mit Kontakt zu anderen Menschen. Sie beginnt sich Fragen zu stellen, wie ein erfülltes Leben, ein gutes Miteinander aussehen kann und wo ihr eigener Platz in der Welt ist. So kann der Tod dabei helfen, ins Leben zu finden.
Milena Michiko Flasar ist ein bemerkenswertes Buch gelungen. Es behandelt ein schwieriges Thema, oftmals mit Humor, und regt zum Nachdenken über das eigene Leben an.
Spannend! Sehr empfehlenswert!!
Prof. Münzer-Jordan