Carsten Sebastian Henn „Der Buchspazierer“
Carsten Sebastian Henn ist Journalist und Schriftsteller. ER arbeitet als freier Weinjournalist, ist Restaurantkritiker und schreibt Kriminalromane und Sachbücher. „Der Buchspazierer“ erreichte 2021 den sechsten Rang auf der Jahresbestsellerliste und wurde verfilmt.
Carl Kollhof, der sein Leben lang in einer Buchhandlung gearbeitet hat, liefert auch noch in der Pension am Abend Bücher an seine Stammkunden, denen er Namen aus bekannten Romanen gegeben hat. Er lebt allein, und Bücher sind seine Welt.
Eines Abends macht er Bekanntschaft mit der neunjährigen Sascha, die ihn von da an auf seinen Botengängen begleitet und ihm den Namen „Buchspazierer“ gibt.
Sascha ist ein sehr aufgewecktes Mädchen, das Kontakt mit den Kunden aufnimmt und Carl dazu ermutigt, sich mit diesen Menschen intensiv auseinanderzusetzen und ihnen zu helfen. So gelingt es ihnen zum Beispiel einen Nachwuchsautor zu fördern und einem Analphabeten Leseunterricht zu vermitteln.
Doch die Idylle wird durch die Einstellung des Lieferservices beendet, auch Sascha verschwindet spurlos und Carl beschließt, seine Stammkunden weiterhin mit Büchern zu beliefern, die er durch den Verkauf seiner eigenen Bibliothek finanziert.
Als es Carl endlich gelingt, Sascha wiederzufinden, muss er erfahren, dass ihr Vater ihr den Kontakt mit Carl verboten hat. Saschas Vater lebt allein mit seiner Tochter und hat Angst, sie an Carl und die Welt der Bücher zu verlieren. Damit nicht genug lauert Saschas Vater Carl am Abend auf und schlägt ihn nieder, sodass dieser mit Knochenbrüchen ins Krankenhaus muss. Carl zieht sich nach seiner Entlassung in seine Wohnung zurück und hat mit niemandem mehr Kontakt. Auch als Sascha und ihr Vater vor seiner Wohnungstür auftauchen, schickt sie Carl weg, er möchte allein bleiben.
Als Reaktion darauf verfasst Sascha ein alternatives Happy End, in dem Carl wieder seine Runden dreht und Bücher verschenkt. In ihrer Version der Geschichte verspricht er Sascha sogar, ein Buch über sein Leben zu schreiben.
„Der Buchspazierer“ ist ein verhalten optimistisches Buch, das die unterschiedlichsten Charaktere zu ihrer Liebe zur Literatur verbindet. Es ist in leicht lesbarer Sprache geschrieben und weist als Besonderheit zwei alternative Enden auf.
Diese Alternativen könnten vom Leser als Hinweis darauf gedeutet werden, dass Literatur auch die Funktion hat, selbst traurige Geschichten in unserer Vorstellung zum Guten zu wenden und damit leichter mit ihnen zurechtzukommen.
Lesenswert!
Prof. Münzer-Jordan