Jacques Lusseyran „Das wiedergefundene Licht“
Jacques Lusseyran ist 1924 in Paris geboren, er ist im Alter von acht Jahren erblindet. Jacques Lusseyran hat Philosophie und Literatur studiert und 1940 eine studentische Widerstandsbewegung gegen die nationalsozialistische Besatzungsmacht in Frankreich gegründet. Von 1944 bis 1945 war er als Häftling im Konzentrationslager Buchenwald, wo er im „Invalidenblock“ überlebt und 1945 befreit wurde. Nach dem Krieg war er als Philosophieprofessor in Frankreich und den USA tätig. Das Buch ist zum hundertsten Geburtstag des Autors neu erschienen.
Dieses Werk ist die Lebensgeschichte eines blinden Mannes und darüber hinaus ein historisches Zeugnis der Zeit vor und Während des Zweiten Weltkriegs. Die Kapitel des Buches sind chronologisch geordnet, das persönliche Erleben des Autors ist verbunden mit dem Bericht über die jeweiligen Zeitgeschehnisse.
Jacques Lusseyrand erblindet mit acht Jahren auf Grund eines Unfalls in der Schule. Seine Eltern ermutigen ihn von Anfang an, sich mit seiner Blindheit positiv auseinanderzusetzen und sie begleiten ihn liebevoll. Der Autor beschreibt die Entwicklung eines inneren Lichts und das Hervortreten einer Fülle von neuen Sinneseindrücken. So konnte er beim Gehen auf dem Fußboden zweierlei Stimmen wahrnehmen, entweder der Fußboden weinte oder er sang. Und er erlebt bei negativen Gefühlen, wie Zorn, Gereiztheit oder Angst, eine starke Blockade, durch die er sich wirklich blind fühlt.
Als ein Freund von ihm verhaftet wird gründet Jacques Lusseyrand eine studentische Widerstandsbewegung, die in kurzer Zeit enorme Ausmaße annimmt. Er ist für die Aufnahme der Mitglieder zuständig, weil er fähig ist, an Hand der Stimmen der Bewerber zu erkennen, ob sie wirkliche Mitstreiter werden wollen oder ob es um Verrat geht. Der Aufnahme von Elio stimmt er zu, obwohl er dabei kein gutes Gefühl hat.
Die Gruppe wird verraten, alle Anführer werden verhaftet und ins KZ Buchenwald gebracht. Jacques kann überleben und wird schließlich von den Alliierten befreit.
Nach dem Krieg schließt er sein Studium ab und wird Professor für französische Literatur. Er stirbt 1971 bei einem Verkehrsunfall im Alter von 46 Jahren.
„Das wiedergefundene Licht“ ist ein faszinierendes Buch, es ist vor allem die lebensbejahende Kraft, die Jacques von seiner Blindheit und ihrer Überwindung als „seinem größten Glück“ sprechen lässt, die nachzuvollziehen anfangs vielleicht schwerfällt.
Sehr lesenswert!
Prof. Münzer-Jordan