Marco Balzano „Ich bleibe hier“

Marco Balzano ist 1978 in Mailand geboren, er zählt zu den erfolgreichsten italienischen Schriftstellern. Er schreibt Gedichte, Erzählungen und Romane. Sein Buch „Ich bleibe hier“ war für den Premio Strega nominiert und ist im deutschsprachigen Raum ein großer Bestseller geworden.

Die Protagonistin ist Trina, eine Volksschullehrerin, sie erzählt ihre Geschichte als langen Brief an ihre verschwundene Tochter. Trina lebt in einem kleinen Bergdorf in Südtirol. Sie heiratet Erich, sie haben zwei Kinder, den Sohn Michael und die Tochter Marica.

Trina und ihre Familie sind schweren Schicksalsschlägen ausgesetzt. So gibt es von Anfang an die Bedrohung, dass ihr Heimatdorf Opfer eines geplanten Stausees werden könnte. Dann müssten die Bewohner ihre Häuser und Höfe verlassen. Das Bauvorhaben des Stausees ruht vorerst. Es ist 1939, in Deutschland ist Hitler, in Italien Mussolini an der Macht. Die beiden Diktatoren treffen ein Übereinkommen: „die Option“. Das bedeutet, dass die in Südtirol lebenden Deutschen die Wahl/Option haben wegzuziehen, ihre Heimat zu verlassen und nach Deutschland zu gehen, wo ihnen ein besseres Leben in Aussicht gestellt wird. Wenn sie in Italien bleiben, sind sie wesentlichen Einschränkungen ausgesetzt. Von den verlassenen Höfen und Häusern sollen Italiener Besitz ergreifen.

Trina und ihre Familie entscheiden sich zu bleiben. Aber viele Familien verlassen ihre Heimat, manche kehren nach Jahren arm und gebrochen zurück. Alle Versprechungen wurden nicht eingelöst.

Für Trina beginnt eine schwere Zeit. Sie darf nicht mehr Deutsch unterrichten, ihre Kinder müssen Italienisch lernen. Ihre Tochter Marica ist jetzt häufig bei der Schwester ihres Mannes zu Gast, der es finanziell besser geht. Schließlich flüchtet Marica heimlich mit der Familie ihrer Tante. Trina und ihre Familie suchen sie voll Verzweiflung viele Jahre.

Dann bricht der Zweite Weltkrieg aus, Erich wird zum Heer einberufen. Michael, der Sohn, ist überzeugter Nationalsozialist und Verehrer von Hitler, weil er von ihm erwartet, dass er den Krieg gewinnt und alles wieder wie früher wird.

Erich kommt verletzt von der Front zurück und erzählt Trina von seinen schrecklichen Erlebnissen im Krieg. Er beschließt zu desertieren, während Michael sich freiwillig meldet.

Erich und Trina flüchten, sie verstecken sich in den Bergen, geraten mehrmals in Lebensgefahr, aber sie können das Ende des Krieges erleben und wieder ins Dorf zurückkehren.

Der im Buch beschriebene letzte Schicksalsschlag ist der Bau des Stausees. Obwohl Erich Widerstand organisiert, bis zu einer Audienz beim Papst kommt, kann er nichts ausrichten. Der Stausee wird gebaut, das Dorf überflutet. Trina und ihre Familie entscheiden wieder, dass sie bleiben.

Mit „Ich bleibe hier“ ist Marco Balzano ein erzählerisch beeindruckendes Werk gelungen, es ist voll Spannung und gleichzeitig getragen vom Lebenswillen, von Heimatverbundenheit, von Zusammenhalt und Menschlichkeit.

Sehr, sehr lesenswert!!!

Prof. Münzer-Jordan

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