Johannes Herwig „Halber Löwe“

Johannes Herwig ist ein mehrfach ausgezeichneter Jugendbuchautor, der 1979 in Leipzig geboren wurde. Nach der Wiedervereinigung Deutschlands war er in der Punkszene aktiv und studierte Soziologie und Psychologie. 2013 begann er zu schreiben.

Die Handlung des Romans spielt kurz nach der Wiedervereinigung in Leipzig, in einem Milieu, das durch soziale Verwahrlosung und finanzielle Entbehrungen charakterisiert ist. Der Protagonist Sascha hat früh seinen Vater durch einen Verkehrsunfall verloren und lebt mit seiner Mutter und seiner kleinen Halbschwester zusammen.

Sascha hat drei Freunde, Timo, der zuhause verprügelt wird, Jarno und Engel, den ältesten und härtesten in der Gruppe. Sie treffen sich regelmäßig in einem Abbruchhaus, um Bier zu trinken, Hasch zu rauchen und die nächsten Mutproben zu planen, die sie abwechselnd durchführen. Diese Mutproben sind teilweise kriminell, teilweise gefährlich, stärken aber den Zusammenhalt der Gruppe, die füreinander einsteht.

Sascha ist ziel- und orientierungslos, er weiß nicht, was er nach Abschluss der  Mittelschule anfangen soll, nur seine Freunde geben ihm Halt und seine kleine Schwester, um die er sich liebevoll kümmert, wenn seine Mutter Nachtdienst hat.

Als ein neuer Schüler, Marcel, in Saschas Klasse kommt, nimmt er ihn zu seinen Freunden mit, er führt ihn in die Gang ein und Marcel erklärt sich bereit, auch eine Mutprobe zu bestehen. Diese geht aber aus ungeklärten Umständen schief und Marcel stirbt.

Die Freunde müssen auf die Polizei, die in diesem Fall ermittelt. Sascha fühlt sich schuldig, die Freundesgruppe trennt sich und Sascha beginnt, auch andere um sich herum wahrzunehmen und zu erkennen, dass es vielen schwer fällt, ihren Weg zu finden. Er macht sich Gedanken darüber, ob Marcel sich vielleicht umgebracht haben könnte, und sucht Kontakt zu seiner Familie. Letztendlich beschließt er, dem Mann, der den tödlichen Unfall mit seinem Vater verschuldet hat, zu verzeihen, und sich seinem Schmerz zu stellen.

Johannes Herwig ist eine sehr authentische Schilderung einer Jugendbande gelungen, die sich gegen Autoritäten auflehnt und nach Halt und Orientierung sucht. Erwachsen werden ist ein Prozess, dem sich Sascha stellt. Durch seine Emanzipation von der Gang beginnt Sascha sich mit Themen wie Verlust, Freundschaft und Schuld auseinanderzusetzen und weiterzuentwickeln.

Sehr lesenswert!

Prof. Münzer-Jordan

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