Milena Agus “Eine fast perfekte Welt”
Milena Agus ist eine sardische Schriftstellerin, die in Cagliari, der Hauptstadt Sardiniens lebt. Ihr Anliegen ist “Sardinien zu retten“, da es eines Tages vielleicht nur noch in Büchern bestehen wird. So schildert sie mit viel Engagement das Leben in Sardinien, und es gelingt ihr, dem Leser tiefe Einblicke zu vermitteln.
Im Roman „Eine fast perfekte Welt“ erzählt sie von Raffaele, der schon als kleiner Bub mit seinem Vater zur Arbeit gehen musste, der später in den Krieg gehen muss, schließlich aus Kriegsgefangenschaft heimkehrt. Raffaele hat viele Schicksalsschläge überstanden. Aus der Gefangenschaft im Krieg ist ihm ein Amerikaner aus New York in Erinnerung, der zum Trost Trompete gespielt hat. Er ist für Raffaele zu einem Symbol dafür geworden, dass Menschen selbst unter schwierigsten Bedingungen für andere hilfreich sein wollen und können.
Weiters wird von Ester und ihrer Tochter Felicita erzählt. Ester und Raffaele haben geheiratet, obwohl beide bei ihrem Wiedersehen nach dem Krieg von der Entwicklung, die der jeweils andere durchgemacht hat, zutiefst enttäuscht sind.
Das Leitmotiv für Ester ist die Frage: „Wie schafft man es bloß, an einem solchen Ort zu leben?“. Und diese Frage gilt für jeden Ort, an dem Ester lebt. Sie findet keine Freude, keine Zufriedenheit, kein Glück für sich, außer bei ihrer Tochter Felicita.
Felicita ist anders, sie ist „zum Glück begabt“, sie kann sich über vieles freuen, sie verliebt sich unsterblich in einen jungen Adeligen, von dem sie eine Kind bekommt, das unehelich ist, weil er ihre Liebe nicht erwidert. Felicita lebt mit ihrem Sohn Gregorio allein. Gregorio wird ein begabter Pianist, er geht später nach New York, um dort Karriere zu machen.
Im letzten Teil des Buches treffen Felicita einige Schicksalsschläge. Trotzdem lässt sie sich nicht unterkriegen, sie gibt ihren Wunsch, ihr Leben nach ihren eigenen Vorstellungen zu gestalten, nie auf.
Milena Agus erzählt in einer klaren, anregenden Sprache. Mit viel Feingefühl stellt sie zwei Lebensmodelle gegenüber, zwei völlig unterschiedlich Arten, das Leben mit seinen Licht- und Schattenseiten wahrzunehmen.
Ein berührendes, anregendes Buch.
Lesenswert.
Prof. Münzer-Jordan