Jon Fosse „Vaim“

Der Autor Jon Fosse ist 1959 in Haugesund, Norwegen geboren. Seine Theaterstücke - weit über 30 – wurden weltweit aufgeführt. 1982 ist sein erster Roman erschienen. Fosse ist einer der wichtigsten europäischen Schriftsteller, er ist international bekannt. Neben einigen bedeutenden Literaturpreisen hat er 2023 den Nobelpreis für Literatur erhalten.

Der Roman „Vaim“ ist der Beginn einer Trilogie, er besteht aus drei Kapiteln, in denen drei verschiedene Erzähler zu Wort kommen.

Der erste ist Jatgeir, ein Fischer, der in seinem Elternhaus lebt. Seine Eltern sind verstorben und er lebt allein. Jatgeirs Lebenshaltung besteht aus einem Gemisch von Passivität und Gelassenheit. Eline ist seine Jugendliebe, was nie zwischen ihnen zur Sprache gekommen ist. Eline heißt auch sein Boot.

Am Beginn fährt Jatgeir mit seinem Boot in die nächste Stadt, um Nähgarn und Nadel zu besorgen. Dabei wird er von der Ladeninhaberin mit einem enorm überhöhten Preis betrogen. Jatgeir wehrt sich nicht gegen den Betrug. Als er auf dem Heimweg auf einer kleinen Insel Pause macht, trifft er seine Jugendliebe Eline wieder, die ihren Ehemann Frank verlassen hat. Sie fährt mit Jatgeir in sein Haus, beschließt dort zu bleiben und krempelt sein Leben um. Er lässt Eline einfach gewähren. Sie leben mehrere Jahre zusammen.

Jatgeir hat nur einen einzigen Freund namens Elias. Eline und Elias kämpfen um die Nähe zu Jatgeir. Elias verliert und wird von Eline aus Jatgeirs Leben hinausgedrängt.

Den nächsten Teil erzählt Elias: Nach einigen Jahren macht Jatgeir bei Elias einen kurzen Besuch. Elias ist überrascht und ratlos, weil es zwischen Jatgeir und ihm zu keinerlei Austausch kommt. Kurze Zeit danach erfährt er, dass Jatgeir tot im Wasser neben seinem Boot gefunden wurde. Elias nimmt Abschied von seinem einzigen, besten Freund.

Im dritten Teil erzählt Frank, er ist der Ehemann von Eline. Sein richtiger Name ist Olav, aber Eline, die ihn in einem Kaffee angesprochen hat, nennt ihn nur Frank. Sie übernimmt in der Beziehung die Führung, sie bestimmt über ihr

 

 

 

weiteres Leben. Aber eines Tages verlässt sie Frank mit einem Abschiedsbrief, in dem sie ihm mitteilt, dass sie das Leben mit ihm nicht mehr aushalten kann.

Jahre später, in denen Eline bei Jageir gelebt hat, kehrt sie wieder zu Frank zurück. Wieder bestimmt sie. Sie fahren nach Vaim in das Haus von Jatgeir, das jetzt Eline gehört. Sie leben dort so lange, bis Eline stirbt. Frank überlebt sie eine Zeit. Als auch er stirbt, lässt er auf sein Grab seinen Namen Olav schreiben.

Alle drei Männer stehen in einer Beziehung zu Eline. Alle drei sind einsame, in ihrem Gefühlsleben stark eingeschränkte, passive Menschen.

„Vaim“ ist ein außergewöhnlicher Roman. Fosse setzt keine Markierung für die Satzenden. Er schreibt in kreisenden, wiederholenden Bewegungen.

Interessant, außergewöhnlich! Sehr lesenswert!!

Prof. Münzer-Jordan

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