Michela Murgia „Accabadora“
Die Autorin ist 1972 in Cabras, Sardinien geboren. Sie studierte Theologie und unterrichtete Religion. „Accabadora“ ist ihr erster Roman, der ein Bestseller wurde. Michela Murgia hat einige Jahre in Mailand verbracht, jetzt lebt sie wieder auf Sardinien.
Maria, ein sechsjähriges Mädchen, kommt aus einer sehr armen Familie. Ihr Vater ist gestorben und ihre Mutter schafft es nur mit großer Mühe, die drei Geschwister und Maria zu erhalten. Maria ist die Jüngste und ein ungewolltes Kind. Ihre Mutter gibt sie zu einer reichen, kinderlosen Witwe, die sie als „Fillus de anima“ - Ziehtochter des Herzens – annimmt. Marias Adoptivmutter ist die Schneiderin Bonaria Urrai.
Für Maria beginnt ein anderes Leben, nicht nur die äußeren Bedingungen ändern sich, auch der Respekt, den die Bonaria ihr entgegenbringt, ist eine neue Erfahrung. Maria entwickelt sich zu einem gebildeten, selbstbewussten Mädchen, zu ihrer „zweiten Mutter“ entwickelt sie eine starke Bindung.
Doch ihre Ziehmutter hat in dunkles Geheimnis. Sie ist eine Accabadora, eine Frau, die todkranken Menschen im Einvernehmen mit deren Familien zum Sterben verhilft. Sie ist auch als Hebamme tätig, sodass es ihre Aufgabe ist, Menschen sowohl ins Leben als auch aus dem Leben zu helfen.
Als Nicola, der Bruder von Marias Freund Andria bei einem Vergeltungsschlag für eine Grenzverletzung angeschossen wird, verheilt das getroffene Bein nicht. Die Wunde eitert und schließlich muss Nicola das Bein amputiert werden. Nicola ist tief verzweifelt, er will nicht mehr leben. Nach vielen Unterredungen gelingt es ihm, Bonaria zur Sterbehilfe zu bewegen.
Andria erzählt Maria davon. Sie ist zutiefst enttäuscht von der Bonaria und ihr Glaube an deren Integrität geht verloren. Sie verlässt die Insel und nimmt in Turin eine Stelle als Hausmädchen an.
Nach zwei Jahren kehrt sie auf Grund von Problemen mit der Familie und weil sie benachrichtigt wurde, dass Bonaria im Sterben liege, nach Sardinien zurück. Jetzt steht Maria vor einer schweren Entscheidung, die Bonaria kann nicht sterben.
„Accabadora“ ist ein einfühlsamer, faszinierender Roman, der alte sardische Traditionen aufgreift.
Sehr, sehr lesenswert!!!
Prof. Münzer-Jordan