Bettina Storks „Die Kinder von Beauvallon“
Die deutsche Autorin Bettina Storks hat Literaturwissenschaft studiert und schreibt ihre Romane auf dem Hintergrund realer Begebenheiten.
In „Die Kinder von Beauvallon“, ihrem neuesten Roman, bleibt sie diesem Prinzip treu und erzählt von der französischen Kleinstadt Dieulefit und der dort befindlichen Schule Beauvallon, in der im Zweiten Weltkrieg über tausend Flüchtlinge, vor allem jüdische Kinder, aufgenommen und unterrichtet wurden. Ganz Dieulefit war an dieser Rettungsaktion beteiligt und niemand verriet die Flüchtlinge.
Die Handlung des Romans spielt auf zwei Zeitebenen. Im Jahr 1965 arbeitet Agnes als Moderatorin für einen Freiburger Radiosender, für den sie Recherchen in Beauvallon durchführt. Dieser Auftrag fasziniert sie, da ihre Kinderfreundin Lily Blum 1940 mit ihren Eltern in ein französisches Konzentrationslager transportiert wurde und sie unter der mangelnden Aufarbeitung der Nazi-Verbrechen leidet. Agnes konnte sich damals noch von Lily verabschieden und Lily zerreißt ein Foto, das sie und ihre Freundin zeigt, und gibt Agnes die Hälfte, auf der Lily selbst abgebildet ist. Die beiden Mädchen versprechen einander, die Hälften des Fotos so bald als möglich wieder zusammenzufügen.
Nach dem Krieg holt Agnes Erkundigungen ein, die zu nichts führen, und glaubt, Lily sei tot. Beim Besuch der französischen Schule schöpft sie wieder Hoffnung und erfährt, dass Lily tatsächlich in Beauvallon war. Sie kann auch mit ihrem damaligen Freund Jean-Pierre reden, der allerdings nicht weiß, wo sich Lily aufhält.
Die zweite Zeitebene des Romans von 1940-1945 schildert das Leben Lilys im Lager mit ihren Eltern und ihre von der französischen Resistance organisierte Flucht gemeinsam mit Jean-Pierre und drei weiteren Kindern. Sie werden von einer Widerstandskämpferin mit dem Namen Jolie nach Beauvallon in Sicherheit gebracht und zwischen den Kindern und Jolie entwickelt sich eine innige Beziehung. Umso schlimmer ist es, dass Jolie knapp vor Ende des Krieges von der Gestapo verhaftet wird und Selbstmord verübt, um der Folter zu entgehen.
Schließlich findet Agnes Lily, aber die ehemalige Freundin, die als Juristin an der Aufklärung der Verbrechen gegen die jüdische Bevölkerung arbeitet, ist verschlossen und misstrauisch.
Letztendlich kehren Pierre, Lily und Agnes gemeinsam nach Beauvallon zurück. Lily stellt sich ihrer schweren Vergangenheit, ein großes Missverständnis wird aufgeklärt und die Freundinnen finden wieder zusammen.
„Die Kinder von Beauvallon“ ist ein leicht lesbares Buch mit vielen spannenden Passagen, vor allem die Flucht von Jolie und den Kindern ist packend erzählt und gibt interessante Einblicke in die Arbeitsweise der französischen Widerstandsbewegung.
Die Gründerinnen der Schule Beauvallon werden in der israelischen Gedenkstätte Yad Vashem als Gerechte unter den Völkern geehrt.
Unbedingt lesen!!!
Prof. Münzer-Jordan