Daniel Dakuna „Mehr. Ein Abenteuer-Roman“

Daniel Dakuna (*1990 in Lebach, Deutschland) beginnt nach dem Zivildienst in Kaiserslautern ein Studium der Betriebswirtschaftslehre mit Schwerpunkt Informatik. Im Anschluss ist er zwei Jahre als Betriebswirt tätig. 2017 unternimmt er eine Weltreise per Anhalter und schildert seine Erlebnisse später in Anekdoten eines Beifahrers sowie in Live-Shows. Sein Abenteuer-Roman Mehr erscheint 2022.

Wer nach „mehr“ sucht, dem sei Daniel Dakunas Abenteuer-Roman Mehr empfohlen. Und das im wahrsten Sinne des Wortes: Die Handlung erstreckt sich über 500 Seiten. Erzählt wird die umfangreiche Geschichte meist aus der Perspektive des sich innerlich leer fühlenden 28-jährigen Leonard Mehrens, kurz „Leon“ genannt, der sich auf die Suche nach Sinn und Lebendigkeit begibt. Er hat jahrelang in einer Fabrik gearbeitet, mit dem Ziel, sich eine Pilotenausbildung finanzieren zu können und realisiert, dass ihm seine finanzielle Lage längst erlaubte, mit dieser beginnen zu können. Er stellt seinen Berufswunsch und seine Lebensziele in Frage. Als er seinen Job verliert, fasst er den endgültigen Entschluss, sich von Frankfurt aus auf eine Reise in die Mongolei zu begeben und stürzt sich in ein Abenteuer voller Herausforderungen und Ungewissheit.

Gleich zu Beginn trifft er auf Menschen, die – auch wenn sie ihn nur ein kurzes Stück seines Weges begleiten – seine Reise bereichern. Eine unbekannte junge Frau in Ljubljana, durch die er zwar sein verloren geglaubtes Portemonnaie wiedererlangt, aber den Bus nach Zagreb versäumt, gibt ihm den Rat, Vertrauen zu haben. Ein Wiedersehen erscheint zu diesem Zeitpunkt unwahrscheinlich, aber das Ende des Romans hält eine Überraschung für die Leser:innen bereit. Mutig versucht Leon also, per Anhalter weiterzukommen. Die Spanierin Helena und der Deutsche Hans, ein junges Pärchen, das sich auch beim Reisen kennengelernt hat, nehmen Leon in ihrem „Mr Wilson“, einem VW-Bus, auf dem Weg nach Split mit. In ihnen findet er nicht nur Freunde fürs Leben, sondern erkennt: Freiheit bedeutet auch, anderen helfen zu können. Schließlich treffen die drei auf Lilly, die auch herumreist und in die sich Leon verliebt. In Albanien geraten sie in eine Schlägerei, um einem Fremden namens Marius zu helfen. Als Leon dabei angeschossen wird, erkennt er den Wert von Freundschaft. Seine Freunde weichen nicht von seiner Seite. Auch der belesene Marius, der ihnen wohl sein Leben zu verdanken hat, entpuppt sich als neuer Freund. Gemeinsam setzen die fünf Freunde nun ihre Reise fort.

 

 

Durch Hans geraten sie immer wieder in absurde Situationen, durch seine kreativen Einfälle aber auch meist unversehrt wieder heraus. So tanzen sie einmal nackt in einem Wald in der Türkei, werden inhaftiert, aber durch einen Freund von Hans erfolgt auch wieder die Entlassung. Sie arbeiten in dessen Bar und verbringen den Winter dort. Doch Lilly umgibt ein Geheimnis – sie flieht vor etwas. Aber wovor? Wer ist sie wirklich? Stellt sie gar eine Gefahr für die Gruppe dar? Steht Lillys und Leons innige Liebesbeziehung vor dem Aus? Die Wege der Freunde sollen sich durch einen Unfall, der vor allem Hans schwer zusetzt, trennen. Leon wird bewusst, dass jede:r von ihnen vor etwas davongelaufen ist und es nun gilt, sich persönlichen Ängsten zu stellen.

Es finden sich immer wieder Kapitel mit Rückblenden, die aus der Sicht der anderen Charaktere erzählt werden. So erhalten die Leser:innen besseren Einblick in deren Leben, während schwarz unterlegte Seiten Vorausdeutungen enthalten – in Form von Trauerreden, die Leons Freunde auf ihn halten. Trotz sprachlicher Schwächen gelingt es dem Autor, die Reiseerlebnisse des Protagonisten realistisch und oft humorvoll zu schildern. Mit Leons innerer Zerrissenheit zwischen Abenteuerlust und Sicherheitsbedürfnis können sich zudem gewiss viele Leser:innen identifizieren. Mehr ist ein Roman, der seine Leser:innen unweigerlich mit der Frage nach ihrem persönlichen Mehr konfrontiert. Für Leon besteht es in Freundschaft, Optimismus, Vertrauen in das Fremde, in sich selbst - und in so vielem mehr.

Prof. Rebecca Ungerboeck

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