Han Kang „Menschenwerk“

Han Kang ist in Gwangju in Südkorea geboren. Seit 1993 ist sie als Schriftstellerin bekannt. Ihr Roman „Die Vegetarierin“ wurde 2016 mit dem Man Booker International Prize ausgezeichnet und in über zwanzig Sprachen übersetzt. „Menschenwerk“ ist mit dem bedeutenden italienischen Malaparte-Preis ausgezeichnet worden. Han Kang hat 2024 den Nobelpreis für Literatur erhalten. Außerdem hat sie den Roman „Deine kalten Hände“ verfasst.

Das Thema des Romans „Menschenwerk“ ist ein Massaker in der Geburtsstadt von Han Kang. Die Autorin erzählt (am Ende des Buches), wie sie zu dem Stoff gekommen ist. Sie hat mit zwölf Jahren verbotenerweise in einem Buch ihres Vaters Bilder und Berichte von dem Massaker gefunden. Am 18. Mai 1980 haben tausende Studenten und Arbeiter in Gwangju gegen die herrschende Militärdiktatur protestiert. Dieser Aufstand wurde von der Armee blutig niedergeschlagen, es gab über 2000 Tote und viele wurden gefangen genommen und fürchterlich gefoltert.

Die Hauptfigur ist ein Junge Dong-Ho, der bei der Demonstration erschossen wird. Dong-Hos Familie hat das Haus gekauft, in dem Han Kang eine Zeitlang mit ihrer Familie gewohnt hat.

Es geht in weiten Teilen auch um das Schicksal von Eun-Suk, einer Mitschülerin Dong-Hos, um Seon-Ju, eine Schneiderin, die sich vor allem für die Rechte der Arbeiter einsetzt, sowie um Jin-Su, einen der Organisatoren der Demonstration.

Sie haben das Massaker überlebt, haben unvorstellbar grausame Folterungen überstanden und sind von Depressionen, Einsamkeit, Schuldgefühlen, weil sie überlebt haben, und von der Unmöglichkeit, normal weiterzuleben, gebrandmarkt. Manche von ihnen wünschen, sie wären gestorben, andere begehen Selbstmord.

Ein Kapitel des Buches erzählt von Dong-Hos Mutter. Sie hat drei Söhne, zwei haben an den Demonstrationen nicht teilgenommen. Sie beschreibt, wie sie nach Dong-Ho, ihrem Jüngsten, gesucht hat, ihn als Toten gefunden und für seine Beerdigung hergerichtet hat. Sie beschreibt ihr Leben und das der Brüder von Dong-Ho seit dem Unglück. Sie tritt dem Verein für die Angehörigen der Opfer bei, als sie erfährt, dass der Staatschef, der für die Massaker verantwortlich ist, in ihre Stadt kommen wird. Sie nimmt an den Protesten gegen ihn teil, kommt ins Krankenhaus, wo sie ihren Protest weiterführt.

Schließlich, als ihr Mann schwer krank wird, beendet sie ihre Aktionen.

„Menschenwerk“ ist ein erschütterndes Buch, auch weil es solche Proteste und deren brutale Niederschlagung immer wieder gibt. Die Fragen, die für den Leser zur Beantwortung bleiben, sind: Was ist Menschlichkeit und wie kann sie bewahrt werden? Sind Menschen von Natur aus gewalttätig und grausam? Wie kann die Würde eines Menschen geschützt werden? Wie weiterleben nach Erfahrungen von äußerster Gewalt und Demütigung?

Lesenswert!!!

Prof. Münzer-Jordan

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