Jodi Picoult „Neunzehn Minuten“
Die Autorin Jodi Picoult zählt zu den erfolgreichsten amerikanischen Schriftstellerinnen. Sie ist 1967 auf Long Island geboren und lebt mit ihrem Mann und drei Kindern in Hannover, New Hampshire. Jodi Picoult studierte in Princeton Kreatives Schreiben und machte in Harvard ihren Master in Pädagogik. „Neunzehn Minuten“ stand in Amerika wochenlang auf Platz 1 der New-York-Times-Bestsellerliste.
Die Hauptperson dieses Buches ist Peter Haughton, ein siebzehnjähriger Jugendlicher, der die Sterling High School besucht. Er wird, für alle überraschend, zum Amokläufer und Mörder. Er erschießt zehn seiner Mitschüler, einen Lehrer und verletzt zwölf weitere Mitschüler schwer. In neunzehn Minuten ist das Morden vorbei, aber die Angst, Trauer und das Leid in vielen Familien hält noch lange an.
Der Autorin gelingt es, die Hintergründe dieses Amoklaufes aufzudecken. Sie beschreibt die Gedanken- und Gefühlswelt der jugendlichen Schüler, der Lehrer, aber auch der Eltern, des Täters und mancher Opfer.
Peter Haughton hat einen fünf Jahre älteren Bruder, Joey, seine Mutter Lacy ist Hebamme, sein Vater Lewis ist als Volkswirtschaftler tätig, sein Spezialgebiet ist die Ökonomie des Glücks, seine Absicht ist, für die immateriellen Dinge des Lebens messbare Werte zu finden.
Joey, ihren älteren Sohn, betrachten Lacy und Lewis immer als Glücksfall, er ist das besondere Kind, das vieles gut kann, angesehen und beliebt ist.
Peter ist anders. Er ist eher zart und klein, sensibel, er ist oft ungeschickt, kein guter Sportler und hat kaum Fertigkeiten, sich gegen seine Mitschüler zu wehren. Schon am ersten Schultag wird er zum Gespött der anderen. Sein Bruder hilft ihm nicht. Peter wird immer mehr zum Außenseiter. Er ist machtlos, die Hilfestellungen, die er vor allem von seiner Mutter erhält, zeigen, dass sie Peter nicht wirklich sieht, da sie erwartet, er würde sich wie sein Bruder verhalten. Wenn sie offen für ihn eintritt, wird er dafür noch mehr verspottet.
Josie, eine Schulkollegin, ist längere Zeit mit Peter befreundet, sie hilft ihm, unterstützt ihn gegen das Mobbing der anderen, bis sie eines Tages die Angst packt, sie könnte genau wie Peter zum Opfer werden, wenn sie nicht dafür sorgt, zu den Beliebten, Starken, also zu den Tätern zu gehören. Als Matt, einer der angesehensten Burschen, sich in sie verliebt, ist das die große Chance für sie und Josie beendet die Freundschaft mit Peter.
Neben der Beschreibung der Entwicklung von Peter und seinem Umfeld, wobei die Zeitebenen immer wieder zwischen vor und nach der Tat wechseln, erzählt die Autorin über andere Personen, so zum Beispiel über Alex, die Mutter von Josie und Richterin, über Patrick, den Polizeibeamten, über den Anwalt von Peter und andere.
Peter wird zu lebenslänglicher Haft verurteilt. Es gelingt ihm, sich selbst zu töten, so wie er auf die Frage, wen er töten wollte, antwortet: „Mich.“
In diesem Buch geht es nicht um Schuldzuweisungen, auch nicht um den Entschuldigungsgrund einer schweren Kindheit, vielmehr beschreibt die Autorin auf berührende und spannende Weise die Entwicklung eines jungen Menschen auf Grund der Einflussnahmen von Eltern, Geschwistern, Freunden und des sozialen Umfelds. Es geht um Bewusstmachung von möglichen Ursachen und um einen Appell an Schüler, Eltern, Lehrer, Vorbilder für gegenseitigen Respekt und Toleranz zu sein und diese auch einzufordern.
Unbedingt lesenswert!
Prof. Münzer-Jordan