Jean-Paul Dubois „Jeder von uns bewohnt die Welt auf seine Weise“
Jean-Paul Dubois ist 1950 in Toulouse geboren. Er ist Soziologe, war aber auch als Sportreporter tätig. Er hat über zwanzig Romane veröffentlicht und wurde mehrfach ausgezeichnet. Für „Jeder von uns bewohnt die Welt auf seine Weise“ erhielt er 2019 den Prix Goncourt.
Der Ich-Erzähler Paul Hansen ist der Sohn eines dänischen Pfarrers und einer äußerst attraktiven Französin, die in Toulouse ein Programmkino leitet. Er berichtet von seiner Kindheit, der Entfremdung der Eltern, bis es schließlich zu ihrer Trennung kommt. Sein Vater wird von seiner Kirchengemeinde entlassen und geht nach Kanada. Paul ist inzwischen zwanzig Jahre alt, er folgt seinem Vater und findet in Montreal eine Hausmeisterstelle in einer Wohnhausanlage, mit 68 Wohnungen. Er erledigt seinen Job zur großen Zufriedenheit der Bewohner, bis sich nach über zwanzig Jahren alles ändert.
Gegenwärtig lebt Paul im Gefängnis, er erzählt von der eiskalten Gefängniszelle, die er mit einem Biker von den Hell‘s Angels teilt. Das Verbrechen seines Zellengenossen bleibt unbekannt.
Er erzählt von seinem Vater, der aus einer großen Familie in Dänemark kommt, die vom Fischfang lebt. In Kanada verliert der Vater seinen Glauben, er wird spielsüchtig, übt aber den Beruf eines Pastors weiter aus.
Pauls Frau, ein indianisches Halbblut und Pilotin eines Flugtaxi-Unternehmens, sie ist seine große Liebe, stürzt jedoch ab und stirbt.
Der Grund für Pauls Aufenthalt im Gefängnis ist seine Wutattacke gegen den neuen Verwalter seiner Wohnhausanlage. Dieser will Paul kündigen und sucht nach Fehlern bzw. Gründen für eine fristlose Entlassung. Er ertappt ihn beim -laut Vertrag - verbotenen Schwimmen im Gemeinschaftspool, zitiert ihn vor die Hausgemeinschaft. Niemand steht auf der Seite von Paul, obwohl fast alle mit seiner Arbeit zufrieden waren, und so wird er fristlos entlassen. Aus Wut über diese Ungerechtigkeit verletzt Paul den Verwalter körperlich schwer und wird zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt.
Als Paul aus dem Gefängnis entlassen wird, entscheidet er sich, nach Dänemark zu den Verwandten seines Vaters zu gehen.
Ein gut erzähltes, spannendes Buch, das nachdenklich stimmt.
Sehr lesenswert!!
Prof. Münzer-Jordan