Maja Haderlap “Nachtfrauen“
Maja Haderlap stammt aus Bad Eisenkappel und gehört zu der slowenischen Volksgruppe in Kärnten. Sie hat Germanistik und Theaterwissenschaften studiert, an der Universität Klagenfurt unterrichtet und war lange Zeit als Dramaturgin am Stadttheater Klagenfurt tätig. Sie wurde 2011 mit dem Ingeborg-Bachmann-Preis ausgezeichnet, weiters hat sie den Max Frisch-Preis und den Christine Lavant Preis erhalten. Ihr Buch „Nachtfrauen“ ist für den Österreichischen Buchpreis nominiert.
„Nachtfrauen“ erzählt von drei Frauen aus unterschiedlichen Generationen: von Mira, Anni, ihrer Mutter und Agnes, deren Mutter. Die Erzählung von Mira nimmt den größten Teil des Buches ein. Alle drei Frauen kommen aus kleinbäuerlichen Verhältnissen, in denen die Männer bestimmend sind und wo für Frauen nichts als harte Arbeit und Schweigen vorgesehen ist.
Mira, die vor langer Zeit aus ihrem Heimatort Jaundorf weggegangen ist, lebt in Wien und ist mit Martin, einem Lehrer, verheiratet. Sie besucht immer wieder ihre Mutter Anni, die allein lebt und nun aus dem Haus, das Miras Cousin Franz gehört, ausziehen muss. Franz möchte dort eine Tischlerwerkstatt einrichten und Anni soll ins Altersheim übersiedeln.
Bei einem Besuch trifft Mira auf alte Freunde und Verwandte, und diese Treffen sind für Mira oft mit schmerzlichen Erinnerungen verbunden. Auch ihr Stöbern auf dem Dachboden in alten Kisten bringt Ereignisse ans Tageslicht, die von ihr fast vergessen waren. Erlebnisse aus ihrer Kindheit tauchen auf, so der Tod des Vaters und Miras alte Schuldgefühle. Mit ihrer Jugendliebe Jurij verbindet sie für kurze Zeit eine Liebesbeziehung. Sie versucht mit Anni, ihrer Mutter, ein offenes Gespräch über alte Erlebnisse zu führen, aber diese reagiert abweisend und verunsichert.
Im zweiten Teil des Buches erzählt Anni von ihrem Schicksal und der Beziehung zu ihrer Mutter Agnes. Es sind ambivalente Erinnerungen, verbunden mit dem schmerzhaften Leid darüber, wie wenig Frauen einst gegolten haben, wie eingeschränkt ihre Entwicklungs- und Lebensmöglichkeiten waren
Mit „Nachtfrauen“ ist Maja Haderlap ein interessantes, aufwühlendes Buch gelungen. Ihre Idee, Anni ihre Erinnerungen durch Zeichnungen ausdrücken zu lassen, die dann zur Sprache kommen, ist beeindruckend und originell.
Sehr lesenswert!!!
Prof. Münzer-Jordan