Didi Drobna „Ostblockherz“

Didi Drobna ist als älteste Tochter 1988 in Bratislava geboren. Seit 19912 lebt sie mit ihrer Familie in Wien. Sie hat Kommunikationswissenschaft und Germanistik in Wien studiert. Ihr literarisches Werk wurde mit mehreren Stipendien und Literaturpreisen ausgezeichnet. Weitere Titel sind „Als die Kirche den Fluss überquerte“ und „Was bei uns bleibt.“

Das Buch beginnt damit, dass die Autorin – sie ist zu diesem Zeitpunkt 34 Jahre alt – einen Krankenwagen für ihren Vater ruft, mit dem sie seit 10 Jahren nicht mehr gesprochen hat.

Der Vater, ein gelernter Flugzeugtechniker, war bald nach Auflösung des sozialistischen Blocks nach Wien gekommen. Seine Frau war zu der Zeit bereits in Wien und arbeitete im Gastgewerbe. Sie ist die weitaus anpassungsfähigere von den beiden.

Dem Vater fällt das Erlernen der deutschen Sprache zu schwer, die Jobs, die ihm angeboten werden, entsprechen überhaupt nicht seinen Fähigkeiten. Er zieht sich zurück, verstummt und verweigert sich. Er hat nicht gelernt über Gefühle zu sprechen, Gefühle waren eine Bürde, die jeder Mensch für sich allein zu tragen hatte. Gesprochen wurde über Wesentliches, also über reine Information. Es ärgert ihn, dass seine Kinder jetzt plötzlich „Gefühlsduseleien“ mit ihm teilen wollen.

„In vielen Belangen war Vater das Ergebnis einer harten Welt, die auf Kosten der Menschlichkeit auf Belastbarkeit setzte.“

Von seiner Tochter erwartet er, dass sie zäh, hart und ausdauernd ist und als älteste Tochter ein Ausbund an Ehrgeiz und Rechtschaffenheit. Dazu wird ihr noch ein hohes Ausmaß an Zuständigkeit und Verantwortung aufgebürdet. Für die Autorin als Tochter ist dies immer wieder eine Überforderung, durch die sie als Kind Scham und Unvermögen erlebt.

Im Krankenhaus geschieht eine Annäherung zwischen Vater und der erwachsenen Tochter. Und als Vater entlassen wird, weil er nicht todkrank ist, beschließt die Familie, eine gemeinsame Reise nach Schottland zu machen.

Didi Drobnas Buch „Ostblockherz“ beschreibt den Kampf um Eigenständigkeit, Anerkennung und Verständnis aller Familienmitglieder. Es geht dabei nicht um Abrechnung oder Schuldzuweisung, sondern um den Wunsch zu verstehen. Sehr lesenswert!!

Prof. Münzer-Jordan

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