David Szalay „Was nicht gesagt werden kann“

David Szalay, geboren 1974 in Kanada, ist in London aufgewachsen, hat in Oxford studiert und lebt heute mit seiner Familie in Wien. „Was nicht gesagt werden kann“ ist der ins Deutsche übersetzte Titel seines Romans „Flesh“, mit dem David Szalay 2025 den begehrten Booker Prize gewonnen hat.

Der Protagonist dieses Romans ist Istvan, der als Fünfzehnjähriger mit seiner Mutter in einem ungarischen Plattenbau lebt. Istvan hilft einer 30 Jahre ältere n Nachbarin mit ihren Einkäufen und wird von ihr verführt. Obwohl er anfangs wenig Begeisterung zeigt, gesteht er ihr seine Liebe, worauf sie ihre Beziehung beendet. Wenig später kommt es zu einer Auseinandersetzung zwischen dem Mann der Nachbarin und Istvan, die zu einem Handgemenge führt, bei dem der Ehemann die Treppe hinunterstürzt und stirbt. Ivan wird des Mordes beschuldigt und verbringt einige Jahre im Jugendgefängnis.

Wieder in Freiheit wird er Soldat und meldet sich freiwillig, um im Irakkrieg zu kämpfen. Dort verliert er einen guten Freund bei einem Hinterhalt. Nach Ende des Krieges übersiedelt Istvan nach London, wo er vom Türsteher zum Personenschützer und schließlich zum Chauffeur eines steinreichen Paares avanciert.

Schon bald ist er der Geliebte der Ehefrau, und als deren Ehemann, der um einiges älter ist als diese, stirbt, heiratet Istvan seine Arbeitgeberin und wird ein angesehener Immobilienentwickler. Aber eine Glückssträhne hält nicht an – nach dem Tod seiner Frau und Erbstreitigkeiten mit seinem Stiefsohn kehrt er nach Ungarn zurück und lebt wieder bei seiner Mutter im Plattenbau, bis diese stirbt und er allein ist.

Der Roman von David Szalay handelt von einem Mann, der kaum kommuniziert und dessen Leben von den Frauen, denen er begegnet, beherrscht wird. Istvan plant keine seiner Affären, er beantwortet lediglich die Angebote der Frauen mit „okay“. Sein ganzes Leben beruht auf der Initiative anderer, Istvan lässt alles mit sich geschehen und scheint keine eigene Vorstellung von seinem Leben zu haben. So bleibt auch die Erzählhaltung im Roman merkwürdig empathielos und verrät nichts über das Innenleben des Protagonisten.

Szalay gelingt es in diesem Roman, das Klischee des wortkargen und schlagkräftigen Machos von einer anderen Seite zu beleuchten und zu zeigen, dass diese Männer auf Mitgefühl und Selbstbestimmung verzichten und sich hinter einer sicheren Maske verstecken.

Ein interessantes Buch; lesenswert!

Prof. Münzer-Jordan

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