Amelie Nothomb „Das Buch der Schwestern“
Die Autorin Amelie Nothomb hat als Kind eines belgischen Diplomaten ihre Kindheit in Japan und in Fernost verbracht. Sie ist 1967 geboren und hat in jungen Jahren bereits zu schreiben begonnen. Seither sind viele ihrer Romane veröffentlicht worden. „Das Buch der Schwestern“ ist nach ihren eigenen Angaben ihr 102. Roman. Ihre Werke werden in 39 Sprachen übersetzt und für ihren Roman „Mit Staunen und Zittern“ erhielt sie den Grand Prix de l’Academie francaise. Die Autorin ist in Paris und Brüssel zu Hause.
„Das Buch der Schwestern“ erzählt von Tristane und Laetitia, die circa fünf Jahre nacheinander geboren wurden. Die Eltern sind Nora und Florent, sie sind unsterblich verliebt, sie brauchen einander und sind nur mit sich selbst beschäftigt. Als Tristane geboren wird, spielt sie im Leben ihrer Eltern keine Rolle. Ihre Aufgabe ist es, nicht zu stören. Tristane leidet unter dem Mangel an Liebe und dem Desinteresse der Eltern, für sie gibt es keinen Platz bei den Eltern. So entwickelt sie sich zu einem stummen, braven Kind. Sie bringt sich selbst Lesen und Schreiben bei, all ihre Fähigkeiten bleiben von den Eltern unbemerkt.
Eine Veränderung tritt ein, als Laetitia geboren wird. Tristane gibt ihrer kleinen Schwester all die Liebe und Fürsorge, die sie entbehren musste. Die Eltern bürden ihr nahezu die gesamte Sorge um das zweite Kind auf. Sie nehmen Tristane sogar ein halbes Jahr aus der Vorschule, damit sie sich um die kleine Schwester kümmern kann. So wachsen Tristane und Laetitia unter sehr unterschiedlichen Bedingungen auf. Tristane, die jahrelang allein zurechtkommen musste, bleibt ein Leben lang zerbrechlich. Sie sehnt sich nach Sicherheit und bleibt am Boden der Realität. Laetitia ist selbstsicher, begeistert von ihren Träumen und Plänen, sie braucht keine Sicherheit.
Auch als Erwachsene halten die beiden Schwestern zusammen. Sie müssen sich von den Ansprüchen ihrer inzwischen verwitweten Mutter befreien, um für sich ein gutes Leben zu finden.
Ein schönes, anrührendes Buch über eine unheimliche, oft beklemmende Geschichte. Auch wenn die Lieblosigkeit von Eltern bedrückend und schmerzhaft für Kinder ist, gibt es in diesem Buch Trost in der Hoffnung, dass es ein Leben nach der Kindheit gibt.
Unbedingt lesenswert!!!
Prof. Münzer-Jordan